Dienstag ist auf RTL+ neuerdings Abrechnungstag. Heute Abend stehen planmäßig die Folgen 3 und 4 von „Bad Boyfriends“ an – dem Format, für das sich acht Männer vermeintlich bei einem Männer-Urlaubsformat namens „Bro Island“ auf Teneriffa beworben haben. Kleiner Haken: „Bro Island“ existiert nicht. Stattdessen warten die Partnerinnen, die aus einer Luxusvilla zusehen, während sich die Herren in der sogenannten „Bro-Zone“ durch Challenges und Beziehungstests arbeiten. Alte Lügen, Affären und Beziehungssünden inklusive.
Vom Serientäter zum Aufsichtspersonal
Moderiert wird das Ganze von Charlotte Engelhardt und Calvin Kleinen – letzterer eine hübsche Pointe der Personalplanung, schließlich hat Kleinen das Genre jahrelang als Teilnehmer von innen renoviert. Die Paare bringen solide Fallhöhe mit: Mirko und Angelika kämpfen nach fast zwölf Jahren und einer Affäre um den Neuanfang, Antonio suchte schon nach zwei Monaten Beziehung wieder Kontakt zur Ex, und das Influencer-Paar Jeje und Teezy schleppt einen frühen Vertrauensbruch mit sich herum.
Der wunde Punkt des Formats ist seine Grundbehauptung. Dass acht Männer aus dem deutschen Reality-Kosmos – ein Dorf, in dem gefühlt jeder mit jedem schon mal in einer Villa saß und teils dasselbe Management teilt – wirklich nicht ahnten, was hier gespielt wird, glauben nicht mal wohlwollende Fans. Der Standard spottete in seinem TV-Tagebuch über die „schlimmen Buben in der Bro-Zone“, andere Beobachter nannten die Ahnungslosigkeits-Erzählung schlicht unglaubwürdig.
Interessanter ist die Programmlogik dahinter: RTL+ baut die Woche konsequent zum Reality-Fließband aus – dienstags „Bad Boyfriends“, donnerstags „Prominent Getrennt“, freitags „Ex on the Beach“. Streaming lebt nicht vom Event, sondern von der Gewohnheit. Der Dienstagsslot ist eine Investition in genau diese Routine.
Trashticker-Einschätzung: Die Prank-Prämisse ist Verpackung, mehr nicht. Ob die Männer wirklich ahnungslos nach Teneriffa flogen, ist für das Funktionieren des Formats zweitrangig – „Bad Boyfriends“ lebt von der Konfrontation vor Publikum, nicht vom Überraschungsmoment. Solange die Abrechnungen sitzen, verzeiht das Genre die Konstruktion. Kritisch wird es erst, wenn beides ausbleibt.