Während der große Reality-Sommer mit Sommerhaus und Co. noch auf seinen Startschuss wartet, biegt ein Format, das im Frühjahr für viel Stirnrunzeln und noch mehr Klickzahlen sorgte, langsam auf die Zielgerade ein: „Die Realitystar Academy“. Seit dem 16. April schickt Joyn – parallel im TV auf ProSieben – 18 Reality-Schüler durch einen Lehrplan, der das gesamte Genre auf die Schippe nimmt. Am 18. Juni steht das Abschlusszeugnis an.
Die Idee ist so absurd wie konsequent: Rektorin Désirée Nick, assistiert von Dschungelkönig Gigi Birofio, prüft ihre Zöglinge in Fächern wie Geschichte, Biologie, Deutsch, Kunst, Sport und Sozialkunde. Klingt nach Volkshochschule, ist aber ein Statement. Denn in den Prüfungen zählt laut Konzept ausdrücklich „kein leeres Drama, sondern echte Reality-Skills“ – eine Pointe, die das Genre erst möglich macht, indem sie dessen eigene Regeln offenlegt. Reality-TV erklärt sich hier selbst zum Handwerk, das man lernen, benoten und am Ende zertifizieren kann.
Dahinter steckt mehr als Klamauk. Während RTL+ mit Allstars-Schlachten und Sat.1 mit Promi Big Brother auf bekannte Marken setzt, probiert Joyn die Meta-Ebene: ein Format, das nicht den nächsten Skandal verspricht, sondern den augenzwinkernden Blick hinter die Mechanik. Der Gratis-Stream donnerstags um 00:01 Uhr – zwei Folgen vor der TV-Ausstrahlung – ist dabei kein Zufall, sondern Plattform-Logik: Joyn will Reichweite über Verfügbarkeit, nicht über Exklusivität. Und mit Désirée Nick hat man eine Ankerfigur, die diese Mischung aus Bildungsbürger-Attitüde und Trash-Selbstironie verkörpert wie kaum jemand sonst im deutschen Reality-Kosmos.
Trashticker-Einschätzung: Die Realitystar Academy ist kein Quoten-Monster, aber ein cleverer Schachzug. Wer ein Genre zur Schule erklärt, signalisiert Reife – und sichert sich nebenbei das Personal von morgen. Sollte das Finale am 18. Juni einen überzeugenden „Abschlussjahrgang“ liefern, hätte Joyn ein Format etabliert, das sich beliebig wiederholen lässt. Die eigentliche Prüfung besteht hier nicht der Cast, sondern der Sender.