Heute Abend gibt es die Verflossenen gleich im Doppelpack: RTL+ schiebt Folge 2 von „Ex on the Beach“ online – Staffel 7 läuft seit dem 29. Mai –, und drüben bei Joyn steht freitags „Match My Ex“ im Programm. Wer sich 2026 durchs deutsche Streaming-Angebot scrollt, könnte meinen, das Genre habe nur noch ein Casting-Kriterium: Hauptsache, irgendwo wartet ein Ex.
Die Branchen-Logik: Konflikt frei Haus
Dahinter steckt eine bestechend einfache Rechnung. Klassische Datingshows müssen Drama erst mühsam aufbauen – fremde Menschen, erste Dates, langsames Kennenlernen, und ob am Ende wirklich gefunkt hat, weiß niemand vorher. Ex-Formate drehen das Prinzip um: Die Beziehungsgeschichte ist schon geschrieben, die Wunden sind dokumentiert, der Konflikt liegt ab Minute eins frei Haus am Pool. Das macht die Formate planbarer und damit aus Produzentensicht schlicht effizienter. Bei „Ex on the Beach“ heißt das in diesem Jahr laut Cast-Übersichten von TV Movie und Starzip: 26 Singles in der Mexiko-Villa, 18 Folgen im Wochenrhythmus, Finale erst am 25. September. Das ist kein Bingewatch-Sprint, das ist ein Sommer-Abo.
Dazu kommt das Personal. Gigi Birofio ist bereits zum dritten Mal dabei, Diogo Sangre hat „Temptation Island“, „Are You The One?“ und das Sommerhaus hinter sich, Laurenz Pesch bringt Erfahrung aus „Too Hot to Handle“ und „Prominent getrennt“ mit. Die Verflossenen kennen sich nicht nur untereinander – das Publikum kennt sie auch. Jede neue Staffel dockt an alte Storylines an, ein Reality-Cinematic-Universe, in dem der Ex von gestern der Content von morgen ist. Und „Prominent getrennt“ hat dieses Prinzip gleich zum Komplett-Format ausgebaut: Dort ist die gescheiterte Beziehung nicht Würze, sondern Konzept.
Trashticker-Einschätzung: Ex-Formate sind die effizienteste Drama-Maschine, die das Genre je gebaut hat – günstiger als Promi-Gagen-Schlachten, verlässlicher als jede Liebes-Lotterie. Aber das Modell hat ein Haltbarkeitsdatum: Wenn alle Formate vom selben Pool recycelter Gesichter und Beziehungen leben, wird der Vorrat an echten Geschichten knapp. Spätestens wenn der dritte Ex vom Ex einzieht, kennt das Publikum den Plot, bevor die Kamera läuft. Bis dahin gilt aber: Freitag bleibt Ex-Tag – und das dürfte sich diesen Sommer auszahlen.