Man kann eine Reality-Show drehen, wo man will – im Dschungelcamp, in einer portugiesischen Villa oder auf einer griechischen Insel. Das Personal bleibt erstaunlich konstant. Casting-Redaktionen suchen nicht einfach „interessante Menschen“, sie füllen Planstellen. Sieben Archetypen tauchen in praktisch jedem Format wieder auf, weil sie zusammen die Reibung erzeugen, von der das Genre lebt.
Da ist zunächst die Intrigantin oder der Intrigant – die Person, die Allianzen schmiedet und wieder sprengt, meist mit einem Blick in die Kamera, der sagt: „Ich weiß genau, was ich tue.“ Ihr natürlicher Gegenspieler ist der Underdog, der Sympathieträger, den anfangs niemand auf der Rechnung hat und für den das Publikum am Ende umso lauter mitfiebert. Diese beiden allein tragen halbe Staffeln.
Dann das Drama-Paar: zwei Menschen, deren Beziehung im Sekundentakt zwischen Trennung und Versöhnung pendelt und das gerade beim „Sommerhaus der Stars“ zur Königsdisziplin gehört. Ergänzt wird das Ensemble vom Strategen, der jede Nominierung durchrechnet, von der Rampensau, die für Stimmung sorgt und kein Mikro fürchtet, vom Sensibelchen, das bei der ersten Kritik in Tränen ausbricht – und vom Ruhepol, dem stillen Beobachter, der später erstaunlich weit kommt, weil ihn niemand als Bedrohung sah.
Der Trick guter Casting-Teams liegt in der Mischung. Sieben Rampensäue in einer Villa ergeben Lärm, aber keine Geschichte. Erst die Kombination sorgt dafür, dass sich Rollen reiben, verschieben und im Verlauf einer Staffel sogar tauschen – aus dem Underdog wird die neue Intrigantin, aus dem Ruhepol der heimliche Stratege. Genau diese Wanderung hält Zuschauer bei der Stange.
Trashticker-Einschätzung: Wer die sieben Archetypen einmal kennt, schaut Reality-TV nie wieder gleich. Man erwischt sich beim Sortieren schon in der ersten Folge – und liegt meist richtig. Das ist keine Schwäche des Genres, sondern sein Handwerk: bewährte Rollen, immer neu besetzt.