Wer diese Woche wissen wollte, wo das deutsche Reality-Geschäft gerade schlägt, musste keinen Fernseher einschalten – sondern drei Streaming-Apps parallel offen haben. Zwischen Dienstag und Freitag schoben RTL+ und Joyn gleich drei Formate ins Programm, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch dasselbe Prinzip teilen: maximale Fallhöhe, minimales Vertrauen.
Den Auftakt machte am Dienstag „Bad Boyfriends – Jetzt wird abgerechnet“ mit seiner ersten Doppelfolge auf RTL+. Charlotte Engelhardt und Calvin Kleinen moderieren ein Format, das mit einer fiesen Grundlüge arbeitet: Acht Männer glauben, sie fliegen zur Party-Show „Bro Island“ nach Teneriffa – bis nach dem ersten Rausch die eigenen Partnerinnen vor der Tür stehen und Rechenschaft fordern. Mit Teezy und Jeje ist mindestens ein Paar dabei, das Fans schon aus „Ex on the Beach“ kennen. Der Reiz liegt weniger in der Abrechnung selbst als in den Gesichtern der Männer im Moment des Auffliegens.
Ehrlichkeit ist auch die Währung bei Joyns „Eden – Du bezahlst für jede Lüge“, das donnerstags läuft und dessen Idee angenehm bösartig ist: 13 Singles jagen einen Jackpot von 100.000 Euro, doch für jede vom Lügendetektor entlarvte Flunkerei wandern 1.000 Euro aus dem Topf. Eine Datingshow, die das Flirten mit einem Preisschild versieht – und damit jede Schmeichelei sofort verdächtig macht. Ab dem 16. Juli übernimmt ProSieben die lineare Zweitverwertung.
Den Wochenabschluss bildet heute das Finale der zweiten Staffel „Match My Ex“ auf Joyn. In einer Athener Villa verkuppeln Realitystars ihre Ex-Partner mit fremden Kandidaten, ehe die „X-Nacht“ entscheidet, wer 25.000 Euro mitnimmt. Nach Wochen aus Eifersucht und taktischem Kuppeln dürfte der Ausgang für den einen oder anderen Verflossenen schmerzhaft werden.
Trashticker-Einschätzung: Auffällig ist, dass keines dieser drei Formate zuerst im Free-TV lief. RTL+ und Joyn testen ihre Konzepte inzwischen konsequent im Stream, während Sender wie ProSieben nur noch die Zweitverwertung übernehmen. Die eigentliche Reality-Woche findet 2026 im Abo statt – das lineare Fernsehen schaut bloß noch zu.