Wenn RTL+ den deutschen Reality-Markt verstehen will, muss er „Bachelor in Paradise Deutschland“ verstehen. Das Format ist seit der Premiere 2018 das wahrscheinlich konsistenteste Datingformat-Konstrukt im deutschsprachigen Streaming: ehemalige Bachelor- und Bachelorette-Teilnehmer treffen sich in einer Villa, bilden Paare, kämpfen ums Bleiben, gewinnen oder verlieren am Ende ein Preisgeld.
Die zweite große Staffel hat das Konstrukt ausgereizt — und gleichzeitig deutlich gemacht, wo es seine Schwachstellen hat. Wer das Mutterformat „Bachelor in Paradise“ aus den USA kennt, weiß: Das Format lebt von einem Cast, der weit genug Reality-Bewusstsein hat, um zu wissen, was Kameras erwarten — aber nicht so abgestumpft, dass nichts mehr passiert. Die deutsche Variante kämpft genau da: Wer in „Bachelor in Paradise DE“ antritt, hat oft schon zwei AYTO-Staffeln und eine Sommerhaus-Auseinandersetzung hinter sich. Authentizität wird zur Theaterleistung.
Was die nächste Staffel besser machen müsste: Cast-Selection nicht ausschließlich aus dem RTL+-Allstars-Pool, sondern auch ein bisschen frisches Blut. Format-Mechanik: das Voting-System ist zu vorhersehbar geworden. Was funktioniert: die Setting-Wahl (immer wieder Mexiko oder Thailand), die Moderation und der Soundtrack-Mix aus 90er-Hits und Pop-Schlagern.
Trashticker-Einschätzung: Solides Mid-Tier-Format mit Potenzial nach oben. Wer „Are You The One“ mag, wird hier nicht enttäuscht. Wer Sommerhaus-Drama erwartet, bekommt eher Pool-Banalität mit gelegentlichen Wutausbrüchen.
Quellen: RTL+ Pressemitteilung Frühjahr 2025, eigene Recherche.