Dennis und Benni Wolter wollten mit „Schäm dich Reich!“ das Fremdschäm-Genre auf ProSieben adeln. Stattdessen schämt sich derzeit vor allem die Quotenabteilung: Die zweite Folge der Dating-Game-Show holte laut Quotenmeter nur 0,15 Millionen Zuschauer ab — bei mageren 1,8 Prozent Marktanteil im Gesamtpublikum. Die Premiere Ende April hatte mit 0,17 Millionen schon nicht gezündet, in der Zielgruppe waren es zarte 90.000 Umworbene.
Das Konzept klingt eigentlich nach sicherer Bank: Ein eingeweihter Single wird per Knopf im Ohr von den Zwillingen mit immer unangenehmeren Aufgaben durch ein echtes Date geschickt — vom Bedienen-Anschnauzen bis zum Singen aus der Speisekarte. Wer durchhält, bis Dennis und Benni das Spiel auflösen, gewinnt 4.000 Euro. Late Night Berlin hat das Segment jahrelang viral gespielt; eine eigene Show daraus zu machen, war der naheliegende Schritt.
Nur sieht es auf dem 20:15-Slot anders aus als zwischen 23 Uhr und TikTok-Clip. „Schäm dich Reich!“ lebt vom kurzen Schock-Moment — und der nutzt sich genau dann ab, wenn man eine ganze Stunde davon am Stück serviert bekommt. Dazu kommt: ProSieben hat im Hauptprogramm die Erwartung, Joko-und-Klaas-Quoten zu produzieren, nicht Joyn-Restverwertung in linearer Verpackung. Die Konkurrenz aus „GNTM“-Recap-Welle, ARD-Quiz und ZDF-Krimi knöpft sich den Slot routiniert weg. Wenn 1,8 Prozent Marktanteil das neue Normal werden, dürfte die Show ihr eigentliches Format-Versprechen ungewollt einlösen: fremdschämen bis zur nächsten Programmkonferenz — und dann womöglich direkt zurück ins Joyn-Archiv.