Es ist Finalwoche bei „Germany’s Next Topmodel“ – und Heidi Klum hat schon mal die Koffer gepackt. Am kommenden Donnerstag, dem 28. Mai, kürt ProSieben das Topmodel der 21. Staffel zum allerersten Mal nicht in einer deutschen Halle, sondern in Klums Wahlheimat Los Angeles. Heute Abend dürfte über ProSieben und Joyn der letzte Cut vor dem großen Auftritt laufen – der finale Härtetest, bevor es unter dem Motto „Welcome to Hollywood“ ernst wird.
Der Ortswechsel klingt nach Eitelkeit, ist aber vor allem Branchen-Logik. Eine Jury aus Sharon Stone, Nicole Scherzinger, Demi Lovato, Adriana Lima und Winnie Harlow plus das Designer-Duo Dean und Dan Caten (Dsquared2) bekommt man nicht eben mal nach Köln-Ossendorf geflogen – aber nach L.A. kommen solche Namen für einen Abend gern. ProSieben dreht also nicht das Budget runter, sondern den Glamour-Regler rauf. Während RTLZWEI mit „Kampf der RealityAllstars“ gerade vorführt, wie man Reality billig und chaotisch produziert, fährt GNTM die Gegenrichtung: teuer, aspirational, Event statt Dauerschleife. Damit die deutschen Fans nicht nur zugucken, lädt der Sender parallel in den Berliner Zoo Palast – rotes-Teppich-Public-Viewing für ein Finale, das 9.000 Kilometer entfernt steigt.
Dass eine Castingshow nach 21 Staffeln überhaupt noch Event-Charakter hat, ist die eigentliche Pointe. GNTM hat überlebt, indem es sich permanent neu inszeniert hat – mal mit männlichen Models, mal mit allen Konfektionsgrößen, jetzt mit Hollywood-Kulisse. Wo andere Formate sich tot-spinoffen, eskaliert GNTM den Schauwert.
Trashticker-Einschätzung: GNTM ist das Anti-KDRS. Die Allstars gewinnen, weil sie billig und außer Kontrolle sind; GNTM gewinnt, weil es teuer und durchchoreografiert ist. Der L.A.-Umzug ist die Ansage, dass ProSieben das Format noch immer als Premium-Event behandelt, für das sich eine Jury über den Atlantik fliegen lässt. Das einzige Risiko heißt Spektakel-Inflation: Wenn das Finale 2027 auf dem Mond steigt, wird die Luft langsam dünn – im wörtlichen wie im quotentechnischen Sinn.