Sonntagabend ist bei den Rosenkavalieren Verschnaufpause – aber nur bis Mittwoch: Dann laufen die letzten beiden Folgen von „Die Bachelors“, am Donnerstag (9. Juli, 20:15 Uhr, RTL) folgt das Finale samt Wiedersehen. Tim Reitz und Sebastian Paul vergeben ihre letzten Rosen – vor dem kleinsten Publikum, das je bei diesem Format zugeschaut hat. Zuletzt rutschte die Show auf 490.000 Zuschauer, Allzeit-Tief nach 22 Jahren Rosenkrieg.
Das Erstaunliche daran: RTL wusste, worauf es sich einlässt. Schon die Staffel 2025 lief linear desaströs – alle zehn Ausgaben blieben deutlich unter einer Million, die Reichweite hatte sich binnen eines Jahres fast halbiert, der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen lag unter sieben Prozent. Trotzdem bestätigte der Sender im März die Fortsetzung. Die Begründung lieferte DWDL gleich mit: Bei RTL+ fuhr das Format 2025 Streaming-Rekorde ein. Die Rose lebt nicht mehr vom Fernseher, sondern vom Abo.
Nur: Genau dieses Standbein wackelt jetzt. Der lineare Auftakt im Juni kam auf 690.000 Zuschauer und 6,8 Prozent Marktanteil – und Berichten zufolge sollen diesmal auch die Abrufzahlen bei RTL+ hinter den Erwartungen liegen. Wenn die Streaming-Rechtfertigung nicht mehr trägt, bleibt vor allem Routine: Warner Bros. produziert verlässlich, das Format ist planbar, günstig kalkulierbar und füllt zuverlässig den Sommer.
Und es gibt einen zweiten, selten ausgesprochenen Grund: Der Kuppel-Kosmos ist RTLs Casting-Pipeline. Wer heute erfolglos Rosen verteilt oder empfängt, sitzt morgen im Sommerhaus, bei „Ex on the Beach“ oder in der nächsten Allstars-Staffel. Die Bachelor-Formate produzieren das Personal, mit dem die profitableren Trash-Maschinen laufen. Gemessen daran ist die Primetime-Quote fast Nebensache.
Trashticker-Einschätzung: RTL hält die Rose nicht aus Nostalgie, sondern weil sie als Gesichter-Fabrik noch ihren Dienst tut. Aber die Gnadenfrist läuft: Wenn nach dem Finale auch die RTL+-Bilanz enttäuscht, dürfte 2027 nicht nur über zwei Bachelors diskutiert werden – sondern darüber, ob überhaupt noch einer Rosen verteilt.