Man erinnere sich: Frühjahr 2025, Joyn schnappt sich ungefragt Inhalte von ARD und ZDF, der ARD-Vorsitzende Florian Hager schimpft öffentlich von „Raubrittertum“, Anwälte werden warmgelaufen, und nach nicht mal vier Wochen ist der „Beta-Test“ wieder Geschichte. Gut ein Jahr später die Wende: Wie DWDL.de exklusiv berichtet, haben sich ProSiebenSat.1 und das ZDF jetzt auf ein echtes Embedding geeinigt – diesmal verhandelt statt überrumpelt. Im Herbst soll die Umsetzung starten.
Der Deal ist eleganter, als er klingt: Die ZDF-Inhalte laufen direkt in der Joyn-Oberfläche, bleiben aber werbefrei, und der Traffic wird per AGF-Messung dem ZDF gutgeschrieben. Die Mainzer geben also keine Rechte ab, Joyn spielt Aggregator und hofft, dass ZDF-Zuschauer beim Zappen an den eigenen Formaten hängen bleiben. Möglich macht das der Reformstaatsvertrag, der seit Dezember Kooperationen zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen ausdrücklich vorsieht. Mit der ARD gibt es übrigens noch keine Einigung.
Und warum lesen Trash-Fans das hier? Weil Joyn nun mal das Zuhause von „Promi Big Brother“, „Good Luck Guys“ und „Villa der Versuchung“ ist – und genau auf diesen Hängenbleib-Effekt setzt. Wer künftig fürs ZDF-Krimi-Wochenende die App öffnet, bekommt den Reality-Katalog gleich mitserviert. Der „Superstreamer“, für den P7S1 vor einem Jahr noch Prügel bezog, entsteht jetzt einfach mit Vertrag. Man könnte fast sagen: Das Fernsehgarten-Publikum wird zur Zielgruppen-Spülung für den Trash-Katalog – und keiner musste dafür in den Zeugenstand.