Acht Männer, ein angeblicher Kumpel-Trip nach Teneriffa, eine Show namens „Bro Island“ – und dann das böse Erwachen: Die Sendung existiert gar nicht, am Pool warten die Freundinnen. Ab dem 30. Juni rollt RTL+ mit „Bad Boyfriends – Jetzt wird abgerechnet“ zehn Folgen über fünf Wochen aus, jeweils im Doppelpack. Das Versprechen: alte Lügen, Affären und Beziehungssünden, aufgedeckt vor laufender Kamera.
Wer genau hinsieht, erkennt hier kein deutsches Original. Das Format stammt aus Großbritannien, wo Olivia Attwood es für ITV groß machte; entwickelt von Optomen, weltweit vertrieben von All3Media – die deutsche Adaption produziert filmpool entertainment. Damit reiht sich „Bad Boyfriends“ in eine längere Linie ein: RTL+ kauft sich erprobte britische Konfrontations-Mechaniken ein, statt aufs eigene Reißbrett zu setzen. Das Risiko ist kalkulierbar, die Drama-Dichte vorab getestet.
Spannender als das Format ist fast die Besetzung des Moderatorenpults. Neben Charlotte Engelhardt – die als Würdig bekannt wurde und nun wieder unter ihrem Mädchennamen auftritt – steht ausgerechnet Calvin Kleinen. Der Mann, der jahrelang als Party-Playboy und Dauer-Provokateur durch Formate wie „The Real Life“ und „VIPs only!“ tingelte, sitzt jetzt auf der Seite, die das Drama lenkt, statt es zu liefern. Vom Objekt der Abrechnung zum Zeremonienmeister der Abrechnung – eine Karriere-Wendung, die im Reality-Geschäft selten so sauber zu beobachten ist.
Trashticker-Einschätzung: „Bad Boyfriends“ ist weniger Innovation als clevere Lückenfüllung im Sommerloch – und genau deshalb funktioniert es. RTL+ minimiert mit dem ITV-Import das Risiko und lädt mit dem „Falle-zuschnappen“-Prinzip maximalen Fremdscham-Druck auf. Ob die Männer wirklich „Einsicht“ zeigen, wie der Sender verspricht, ist zweitrangig; der Reiz liegt im Moment des Auffliegens. Und Calvin Kleinens Wechsel auf den Moderatoren-Stuhl ist das eigentliche Signal: Die Klasse der 2010er-Reality-Provokateure wird langsam erwachsen – oder zumindest sendefähig genug fürs Pult.