Am Sonntagabend herrscht im linearen Trash-Programm gerade Sommerpause – Zeit, auf die Meldung zu schauen, die am Donnerstag kurz vor Mitternacht fast unbemerkt über den Ticker lief: Die Fusion von Banijay Entertainment und All3Media ist durch. Klingt nach trockener Konzern-Nachricht, betrifft aber ziemlich direkt das, was wir alle abends gucken.
Ein Konzern, viele bekannte Logos
Der neue Riese firmiert weiter als Banijay Entertainment, sitzt in London und kommt laut eigenen Angaben auf über 4,3 Milliarden Euro Umsatz. An der Spitze: Jeff Zucker (RedBird IMI) als Chairman, Marco Bassetti als CEO, Ex-All3Media-Chefin Jane Turton als seine Stellvertreterin. Für Deutschland heißt das: Zu Banijay Germany – wo mit Endemol Shine („Promi Big Brother“) und Banijay Productions („Kampf der Realitystars“, „Temptation Island“) ohnehin schon ein ordentlicher Teil des Reality-Outputs entsteht – stoßen nun die All3Media-Häuser Filmpool Fiction, Filmpool Entertainment („Berlin – Tag & Nacht“) und South & Browse. Wie die Integration konkret aussieht, ist offen; die Entscheidung liegt beim deutschen Banijay-CEO Marcus Wolter.
Warum das mehr ist als Konzern-Bingo
Bassetti spricht davon, „langlebige Franchises aufzubauen und zu sichern“ – und genau da wird es für Trash-Fans interessant. Wenn ein Haus die IP von Scripted Reality bis Prime-Time-Container kontrolliert, lohnt sich jedes Spin-off, jede Allstars-Variante, jeder Crossover doppelt. Gleichzeitig sollen im ersten Jahr 50 Millionen Euro Synergien realisiert werden – das übliche Wort für: Irgendwo wird gespart. Und für die Sender bedeutet weniger Anbieter-Wettbewerb schlicht weniger Verhandlungsmacht beim Formate-Einkauf.
Trashticker-Einschätzung: Kurzfristig merkt ihr davon nichts – die Shows laufen wie geplant. Mittelfristig dürfte der Franchise-Kurs den Trend verstärken, den wir ohnehin sehen: mehr Ableger und Allstars-Recycling bewährter Marken, weniger riskante Neuentwicklungen. Dass fast der komplette deutsche Reality-Kosmos künftig aus einem Konzernhaus kommt, ist bemerkenswert unspektakulär verkündet worden – und genau deshalb sollte man hinschauen.