Manche Karrieren im deutschen Fernsehen beruhen auf einem Talent. Die von Menderes Bağcı beruht auf dem konsequenten Mangel daran – und genau das macht sie zu einer der erstaunlichsten Geschichten, die Trash-TV zu bieten hat. Seit 2002 stand der heute 41-Jährige bei „Deutschland sucht den Superstar“ vor der Jury, sang Michael Jackson, scheiterte, kam wieder. Über die Casting- und Recallrunden hinaus schaffte er es in mehr als zwei Jahrzehnten praktisch nie.
Was als Running Gag begann, wurde zum Geschäftsmodell. Im Januar 2016 zog Menderes ins Dschungelcamp (RTL, Staffel 10) – und wurde vom Publikum zum Dschungelkönig gewählt. Der Mann, den Dieter Bohlen jahrelang als Sinnbild des Scheiterns vorführte, hatte gewonnen, weil er nie aufgab. Sympathie schlägt Stimme: Selten hat eine Reality-Show diese Trash-TV-Grundregel so deutlich bewiesen.
Seitdem hält Menderes sein Tempo. 2022 belegte er bei „Promi Big Brother“ (Sat.1, Staffel 10) Platz vier, 2024 war er bei Amazons „The 50″ dabei, 2025 bei „CoupleChallenge“ auf RTLZWEI. Bei Jan Böhmermann ist er seit Jahren wiederkehrender Gast im „ZDF Magazin Royale“, 2023 brachte er das Album „Sieger der Herzen“ heraus. Anfang 2026 soll er, wie mehrere Reality-Portale berichteten, bei „Promis unter Palmen“ um die Goldene Kokosnuss gekämpft haben – die nächste Station eines Dauerläufers, der das Format Reality längst besser versteht als die Castingshow, die ihn berühmt machte.
Die Zahlen hinter dieser Beharrlichkeit sind beachtlich: mehr als fünfzehn DSDS-Anläufe, ein sechsstelliges Dschungel-Preisgeld und ein Auftritts- und Werbegeschäft, das ihn längst unabhängig von jedem Chart-Erfolg macht. Seine bekannteste Single heißt nicht zufällig „Mittendrin“ – veröffentlicht 2016, im Jahr seines Dschungelsiegs. Während echte DSDS-Gewinner oft schon nach einer Single wieder verschwanden, ist ausgerechnet der Mann, der nie gewann, bis heute im Geschäft.
Bemerkenswert ist, wie offen Menderes mit Rückschlägen umgeht. Über seine chronische Darmerkrankung Colitis ulcerosa spricht er öffentlich, am Ballermann wurde er gefeiert und auch schon mal gefeuert. Diese Mischung aus Verletzlichkeit und Stehauf-Mentalität ist der eigentliche Grund, warum er sich gegen jüngere, lautere Konkurrenz behauptet.
Trashticker-Einschätzung: Menderes ist kein Comeback – er ist eine Konstante. Während andere Reality-Gesichter nach einer starken Staffel verglühen, lebt er von einem Kapital, das sich nicht casten lässt: jahrzehntelang aufgebaute Vertrautheit. Solange das Publikum ihn als „den von früher“ erkennt, wird er gebucht. Talent war nie sein Asset. Ausdauer schon.