Heute ist Freitag, also ist bei RTL+ Ex-Tag. Seit dem 29. Mai schiebt der Streamer wöchentlich eine neue Folge der siebten „Ex on the Beach“-Staffel nach: 18 Folgen insgesamt, 26 Singles in einer mexikanischen Villa, dazwischen bekannte Dauergäste wie Gigi Birofio und Chris Broy. Wer mitrechnet, landet heute Abend rechnerisch bei der viertletzten Ausgabe – das Finale ist für den 25. September angesetzt. Ein Wochentag, ein Format, vier Monate Laufzeit.
Das klingt nach Programmroutine, ist aber die interessanteste Zahl im deutschen Reality-Geschäft. Denn RTL+ verteilt seine Trash-Ware nicht auf einen Schlag, sondern in Wochenscheiben – und die sind über den Kalender gestaffelt. Mittwochs läuft seit dem 12. August die sechste Staffel „Are You The One? – Realitystars in Love“ in der VIP-Variante: 20 Realitystars, 200.000 Euro Preisgeld, Sophia Thomalla als Gastgeberin, letzte Folge am 21. Oktober. Freitags eben „Ex on the Beach“. Ab dem 8. September kommt das „Sommerhaus“ im Free-TV dazu, am 23. September startet „Love Island VIP“ bei RTLZWEI und RTL+, und für den Herbst hat der Streamer die siebte Staffel „Temptation Island VIP“ angekündigt – erstmals mit einem queeren Paar im Treuetest.
Legt man das nebeneinander, sieht man kein Sendeschema, sondern eine Kündigungs-Verhinderungs-Maschine. Das Binge-Modell kippt acht Folgen an einem Freitag raus, das Publikum schaut am Wochenende durch und kündigt am Montag. Der Wochen-Drip macht das Gegenteil: Für 5,99 Euro Basis-Abo im Monat liefert RTL+ jede Woche einen Grund, im nächsten Monat wieder dabei zu sein. Dass dabei häufig dieselben Gesichter durchs Bild laufen, ist kein Bug, sondern Teil der Rechnung – wer Gigi mittwochs vermisst, findet ihn freitags.
Trashticker-Einschätzung: Die eigentliche Leistung steckt nicht im Casting, sondern im Kalender. „Ex on the Beach“ endet am 25. September, AYTO VIP läuft bis zum 21. Oktober, „Temptation Island VIP“ schließt im Herbst an: Die Staffelenden sind sauber versetzt, damit nie ein leerer Streaming-Freitag entsteht. Riskant wird es erst, wenn RTL+ so eng taktet, dass die eigenen Formate sich gegenseitig das Publikum wegnehmen – im September, wo auch das lineare Reality-Programm voll ist, ist dieser Punkt nicht mehr weit. Bis dahin gilt: Der Streamer hat den Reality-Wochenkalender schlicht besetzt, bevor die Konkurrenz gemerkt hat, dass man ihn besetzen kann.