Es gibt Dschungelkronen, die feiert das halbe Land mit. Und dann gibt es die von Gil Ofarim. Als der 43-Jährige im Finale der 19. Staffel von „Ich bin ein Star“ zum Dschungelkönig gekürt wurde, war der Applaus so laut wie das Stirnrunzeln. Ein halbes Jahr später lohnt der Blick zurück: Was ist aus dem Sieger geworden, dessen Triumph selbst RTL nur mit spitzen Fingern anfasste?
Zur Erinnerung: Ofarim hatte 2021 einem Mitarbeiter eines Leipziger Hotels öffentlich Antisemitismus vorgeworfen – und die Vorwürfe später vor dem Landgericht Leipzig als erfunden eingeräumt und sich entschuldigt. Genau dieser Schatten begleitete ihn ins Camp. Dass er die Prüfungen souverän wegsteckte, sich nach einer Verletzung sogar kurz behandeln ließ und zurückkehrte, machte ihn zur Reizfigur mit Sendezeit. Kritiker warfen RTL vor, aus einem Skandal Quote zu pressen; Fans feierten die Wandlung vom Buhmann zum König.
Und heute? Musikalisch bleibt das Comeback zäher als der Reality-Erfolg. Sein erster größerer Auftritt nach dem Skandal war im April 2025 ein Clubkonzert in Bochum vor rund 200 Leuten – weit weg von den Arenen früherer Jahre. Im „Stern“ nannte er das Skandalvideo im März 2025 den „größten Fehler meines Lebens“ und sprach offen über acht Monate in einer psychiatrischen Tagesklinik und zu viel Alkohol. Die Dschungelkrone lieferte ihm nun Aufmerksamkeit – aber eben die zweischneidige Sorte.
Trashticker-Einschätzung: Reality-TV funktioniert seit Jahren als Rehabilitationsmaschine: Wer im Camp Regenwürmer isst und Demut zeigt, darf auf einen Neustart hoffen. Bei Ofarim stößt diese Mechanik an ihre Grenze. Die 100.000 Euro und der Publikumszuspruch beweisen, dass ein Teil der Zuschauer bereit ist zu verzeihen – doch ein Dschungelsieg ist kein Freispruch, sondern eine Voting-Mehrheit. Die eigentliche Frage bleibt offen: Trägt der Reality-Bonus auch zurück auf die Konzertbühne? Bislang deutet wenig darauf hin.