Am Dienstag hat RTLZWEI eine Personalie verkündet, die auf den ersten Blick klingt wie reine Branchen-Prosa: Julian Krietsch, Bereichsleiter Channel Strategy & Content Distribution und Mitglied der Geschäftsleitung, verlässt den Sender – nach 18 Jahren, wie zuerst DWDL.de berichtete. Kein Cast-Skandal, keine Quoten-Story, und trotzdem lohnt der zweite Blick. Denn kaum jemand hat in den vergangenen Jahren stiller und wirkungsvoller mitentschieden, wo und wie wir RTLZWEI-Reality überhaupt zu sehen bekommen.
Krietschs sperriger Jobtitel übersetzt sich ungefähr so: Er plante, welcher Inhalt wann auf welcher Plattform landet – im Fachsprech „Windowing“. Dass eine neue Folge erst beim Streamer auftaucht und später linear läuft, dass Clips aus „Hartz und herzlich“ oder „Kampf der Realitystars“ YouTube und TikTok fluten: alles Distribution, alles sein Bereich. Laut Sender etablierte er erstmals eine integrierte Steuerung von Content-Planung und Verbreitung über alle Plattformen hinweg und entwickelte die zentralen Streaming-Partnerschaften, allen voran mit RTL+.
Gerade dieser letzte Punkt ist größer, als er klingt. RTLZWEI gehört nämlich nicht zu RTL Deutschland, sondern ist ein eigenständiges Unternehmen, an dem die RTL Group nur beteiligt ist. Dass die Grünwalder ihre Reality-Ware trotzdem bei RTL+ beheimatet haben, statt eine eigene teure Plattform zu stemmen, war eine strategische Wette – und bisher eine ziemlich kluge. Für einen kleinen Sender, dessen lineares Publikum wie überall schrumpft, ist der Streaming-Schaufenster-Platz beim großen Nachbarn schlicht überlebenswichtig. Zu den Gründen des Abschieds schweigt der Sender, CEO Thorsten Braun verteilt in der Mitteilung die üblichen Dankes-Blumen. Krietsch selbst wünscht seinen Ex-Kollegen den Mut, „den besonderen RTLZWEI-Spirit zu bewahren“ – ein Satz, den man wohlwollend oder vielsagend lesen kann.
Trashticker-Einschätzung: Personalien im Maschinenraum formen unser Programm mehr als mancher Cast-Tausch. Ob KDRS-Folgen vorab streamen, ob RTLZWEI-Trash prominent bei RTL+ hängt oder im Algorithmus-Nirwana verschwindet – das entscheiden Leute wie Krietsch. Die spannende Frage ist jetzt, ob die Nachfolge den Multi-Plattform-Kurs weiterfährt oder neu verhandelt. Sollte die RTL+-Achse wackeln, hätte das direktere Folgen für Trash-Deutschland als so manches Staffel-Aus. Wir behalten Grünwald im Blick.