Wer heute Abend, an einem stinknormalen Donnerstag Mitte Juli, linear nach Trash sucht, wird ziemlich allein gelassen. Kein „Kampf der Realitystars“ mehr – das Allstars-Finale lief am 10. Juni bei RTLZWEI. Kein Sommerhaus, das startet erst im Spätsommer. Kein Promi Big Brother, das hebt sich Sat.1 für den Oktober auf. Und trotzdem war Reality selten so präsent wie in diesem Sommer. Nur eben nicht im Fernsehen.
Denn während die Sender ihre Event-Formate horten, zieht ProSiebenSat.1 sein Motto „Alles auf Joyn“ konsequent durch. Die Plattform hat ihre Nutzerzahlen laut Konzernangaben binnen zwölf Monaten mehr als verdoppelt – und belohnt das mit einem Reality-Fahrplan, der sich liest wie ein Trash-Adventskalender: „Good Luck Guys“ soll noch im Juli online gehen, „Das große Promi-Büßen“ folgt im Oktober, „Forsthaus Rampensau“ im November, „Reality Backpackers“ im Dezember. Dazu neue Formate wie „The Power“, in dem Trash-Profis um Macht und Geld spielen, und ein wachsendes Creator-Portfolio. Selbst das ZDF liefert seit dem Deal von letzter Woche Inhalte auf die Plattform – wir berichteten.
Auch RTL+ macht das Spiel mit: Das „Prominent getrennt“-Wiedersehen läuft donnerstags exklusiv im Stream, nicht bei RTL oder RTLZWEI. Die Logik dahinter ist simpel: Der Sommer ist linear traditionell Sparzeit, die junge Trash-Zielgruppe streamt ohnehin – und im Stream gibt es keine Programmplätze, um die sich Reality mit Fußball und Krimis prügeln müsste. Das Sommerloch ist für Streamer kein Loch, sondern freies Spielfeld.
Trashticker-Einschätzung: Das Trash-Sommerloch 2026 ist keins – es ist ein Schaufenster der Machtverschiebung. Linear bleibt für die großen Lagerfeuer-Momente reserviert, Sommerhaus und Promi BB werden als Events inszeniert. Die Grundversorgung des Genres aber haben RTL+ und Joyn längst übernommen. Wer im Juli Reality schauen will, braucht keinen Fernseher mehr. Nur noch die richtige App – und zunehmend ist das eine mit J.