Die Reality-Woche war im linearen Fernsehen dünn – und genau das ist die Geschichte. Während RTL und Sat.1 ihre großen Sommer-Kaliber („Sommerhaus“, „Villa der Versuchung“) noch in der Startrampe halten, gehörte die Free-TV-Bühne von Dienstag bis Donnerstag vor allem ProSieben. Und dort läuft der Reality-Sommer bislang alles andere als rund.
Die Zahlen wirken bis heute nach: Die Doku-Reihe „Born Famous – Fluch oder Segen?“ startete am Donnerstagabend mit nur 340.000 Zuschauern und mageren 4,9 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen, wie DWDL berichtete. Die anschließende Dating-Reality „Eden – Du bezahlst für jede Lüge“ fiel mit 3,2 und 3,0 Prozent sogar noch tiefer. Für einen Sender, der sich beim jungen Publikum sonst gern als Marktführer feiert, ist das ein Nackenschlag.
Am Konzept liegt der lineare Absturz kaum: 13 Singles, ein Lügendetektor, und jede aufgedeckte Flirt-Notlüge kostet 1.000 Euro aus dem gemeinsamen 100.000-Euro-Topf – „Eden“ ist clever gebaut und läuft weiter donnerstags gegen 22:20 Uhr. Nur schaut das Zielpublikum offenbar lieber vorab auf Joyn, wo die Folgen längst stehen. Die Free-TV-Premiere ist da fast nur noch Zweitverwertung.
Wie ernst ProSieben die Streaming-Verschiebung nimmt, zeigt der Umgang mit dem eigenen Zugpferd: „Good Luck Guys“ wandert in Staffel 4 vom Mutterhaus ProSieben zum kleineren Schwestersender sixx – laut Branchenberichten eine direkte Folge zuletzt schwacher Quoten. Ab 30. Juli kämpfen zwölf Reality-Stars am „Lost Beach“ in Thailand um 20.000 Euro, im Free-TV ab 31. Juli spät am Freitagabend auf sixx. Reality-Debütant Francesco Morelli ist mit dabei. Das lineare Fernsehen wird damit zum Trailer fürs Streaming – nicht mehr umgekehrt.
Trashticker-Einschätzung: ProSieben verliert die lineare Reality-Schlacht gerade im Stillen – aber vielleicht ist das gar keine Niederlage, sondern Kalkül. Wer seine Formate zuerst auf Joyn zündet und sixx als Nachbrenner nutzt, misst Erfolg nicht mehr im Marktanteil um 22:20 Uhr. Für uns Zuschauer heißt das: Der spannendste Trash läuft künftig da, wo keine Quote ihn kleinredet.