Während halb Fernseh-Deutschland im Juli auf die Fußball-WM starrte und die linearen Quoten im Sommerloch dümpelten, ist bei RTL+ fast unbemerkt der nächste Reality-Hit herangewachsen: „Bad Boyfriends“. Das von Filmpool produzierte Format startete Ende Juni ohne großes Marketing-Getöse – und legt seitdem Woche für Woche zu.
Die Zahlen: Newcomer schlägt etablierte Marken
Für ein komplett neues Format sind die Werte bemerkenswert. In der Woche vom 13. bis 19. Juli erreichte „Bad Boyfriends“ laut AGF-Messung 815.000 Menschen im Streaming – 116.000 mehr als in der Vorwoche und bereits die zweite deutliche Steigerung in Folge, wie DWDL.de berichtet. Damit liegt der Newcomer nur noch knapp hinter „Prominent getrennt“ (880.000 im Staffel-Endspurt) und vor etablierten Marken: „Ex on the Beach“ kam 2026 in seiner besten Woche auf 728.000, „Temptation Island“ auf 700.000, „Are You The One?“ gar nur auf 453.000.
Streaming ist die Währung, linear das Schaufenster
Dahinter steckt System. RTL hat sich bei RTL+ ein Reality-Portfolio aufgebaut, das durch RTLZWEI-Zulieferungen wie „#CoupleChallenge“ ergänzt wird – meist laufen mehrere Formate parallel mit frischen Folgen. Dass in diesem vollen Regal trotzdem noch Platz für einen Neuzugang ist, ist die eigentliche Nachricht. Wie unwichtig die lineare Quote dabei geworden ist, zeigte in diesem Jahr ausgerechnet das Zugpferd „Kampf der Realitystars“: Die Allstars-Staffel dümpelte sonntags bei 390.000 linearen Zuschauern und unter drei Prozent Marktanteil – während sie im Streaming zu den vier Reality-Formaten gehörte, die 2026 die Millionen-Marke knackten, neben „Prominent getrennt“, „Temptation Island VIP“ und dem Dschungelcamp.
Trashticker-Einschätzung: „Bad Boyfriends“ ist der Beweis, dass im deutschen Reality-Geschäft nicht mehr der Sendeplatz die Währung ist, sondern die Wochen-Reichweite auf der Plattform. Ein Format ohne bekannte Marke, ohne Primetime-Slot, ohne Werbeschlacht – und trotzdem in den Top 10 des deutschen Streaming-Rankings, in Schlagdistanz zu „GZSZ“ und der Tagesschau. Wenn die Kurve so weiterläuft, ist eine zweite Staffel Formsache. Und die Konkurrenz von Joyn bis Prime Video dürfte sehr genau hinschauen, wie Filmpool das geschafft hat.