Zwei Wochen lang galt die zweite Staffel der „Villa der Versuchung“ als der Sommerflop, den in Unterföhring niemand bestellt hatte: 690.000 Zuschauer zum Auftakt, magere 7,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Jetzt hat die AGF die endgültig gewichteten Zahlen nachgereicht – und aus dem Flop wird der größte Marktanteils-Nachschlag der Woche. Die Reichweite klettert um 270.000 auf 0,96 Millionen, der Zielgruppen-Marktanteil schießt auf 11,8 Prozent. Damit liegt Staffel zwei sogar zwei Prozentpunkte über dem Vorjahresauftakt.
Der Grund ist Buchhaltung, nicht Magie: In die endgültig gewichteten Quoten rechnet die AGF acht Tage später Livestreams und drei Tage zeitversetzte TV-Nutzung ein. Mediatheken-Abrufe fehlen darin immer noch – die tauchen erst in den konvergenten Quoten auf. Auch die Freitags-Wiederholung legte laut DWDL nochmal um 60.000 Zuschauer zu, blieb mit 3,9 Prozent aber schwach. Und die zweite Sendewoche brach linear trotzdem deutlich ein.
Der Trashticker-Take: Die Zahl, über die morgens alle reden, ist bei Reality inzwischen die unzuverlässigste im ganzen Fernsehen. „Villa der Versuchung“ wird nicht um 20:15 auf dem Sofa geschaut, sondern nachts bei Joyn, im Livestream oder drei Tage später vom Rekorder. Sat.1 hat kein Reichweiten-Problem, sondern ein Messproblem – und wer Reality-Formate nach dem vorläufigen Overnight beerdigt, beerdigt regelmäßig die falschen. Bis die konvergenten Quoten monatlich kommen, bleibt jede Flop-Schlagzeile am Dienstagmorgen eine Wette mit Ansage.