Heute Abend um 20:15 Uhr zeigt RTL Folge 6 von „Die Verräter – Vertraue Niemandem!“. Wer die vierte Staffel bei RTL+ verfolgt, weiß zu diesem Zeitpunkt längst, wer den Runden Tisch überlebt hat: Dort erscheint morgen, am 26. August, bereits das Finale. Im Free-TV fällt die Entscheidung erst am Donnerstag. Ein Format, dessen einzige Währung Nichtwissen ist, läuft also zwei Tage lang seiner eigenen Auflösung hinterher.
Die Bruchstelle ist eingebaut. RTL+ startete am 3. August, das lineare Programm zog erst am 17. August nach – vierzehn Tage Vorsprung fürs Abo. Danach presste RTL die acht Folgen als Montag-bis-Donnerstag-Strecke in zwei Wochen, das klassische Rezept für Event-Gefühl. Beides ergibt für sich genommen Sinn: Der Vorlauf ist ein Abo-Argument, das Stripping erzeugt Gewohnheit. Zusammen ergeben sie ein Whodunit, bei dem die Lösung seit Wochen in jeder Suchmaschine steht.
Bei einer Datingshow wäre das ärgerlich. Hier ist es ein Konstruktionsfehler. „Die Verräter“ funktioniert nur, solange man mitverdächtigt – jede Kameraeinstellung auf ein zuckendes Augenlid ist wertlos, wenn die Timeline die Antwort schon kennt. Die Quoten spiegeln das: Der Auftakt kam auf 1,25 Millionen Zuschauer und 7,6 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, ein Negativrekord fürs Format; später stabilisierte sich die Staffel auf einen Bestwert von 8,1 Prozent – solide, aber unter dem, was RTL um 20:15 Uhr erwartet.
Dabei ist die Staffel handwerklich aufgerüstet: 18 Prominente statt bisher weniger, gedreht im belgischen Château de Mielmont, moderiert von Sonja Zietlow, die den Ton zwischen Schlossherrin und Spielleiterin sicherer trifft als die meisten. Das Preisgeld: maximal 50.000 Euro, mühsam in Silberbarren erspielt. Geteilt durch alle Loyalen bliebe pro Kopf weniger, als eine Woche Sommerhaus einbringt. Das Format verkauft eben kein Geld, sondern Paranoia – und Paranoia verträgt keine Spoiler.
Trashticker-Einschätzung: Das Problem von „Die Verräter“ ist nicht das Format, sondern der Kalender. Zwei Wochen Vorlauf sind bei einem Rätselformat kein Marketing, sondern ein Leck. Entweder RTL kürzt das Fenster auf wenige Tage, oder es zieht die Staffel konsequent ganz zu RTL+ – so wie es beim „Sommerhaus“ längst der Fall ist. Die Zwischenlösung bestraft ausgerechnet die Zuschauer, die noch linear einschalten. Und die sind, siehe Quoten, ohnehin schon knapp.