Wer am Montagabend bei Sat.1 hängen bleibt, sieht zwei Shows und im Kern eine einzige Idee. Um 20:15 Uhr läuft seit dem 3. August die zweite Staffel „Villa der Versuchung“, um 22:55 Uhr schiebt der Sender direkt im Anschluss „Dschungel Divas“ hinterher – seit der zweiten Woche im Doppelpack. Andere Kulisse, anderer Cast, identisches Regelwerk: Das Geld ist schon da, und jede Gönnung knabbert es an.
Bei den „Divas“ sind das bis zu 200.000 Euro, um die zehn Reality-Bekanntheiten im kolumbianischen Dschungel spielen – von Micaela Schäfer und Giulia Siegel über Kate Merlan bis zu Jennifer Iglesias. Erspielen müssen sie den Jackpot in Challenges, verlieren können sie ihn beim Duschen, Essen, Schlafen. Genau darin liegt der Trick, den Sat.1 hier zweimal an einem Abend durchdekliniert: Klassisches Reality-TV braucht einen Antagonisten, den die Produktion irgendwie herbeiführen muss. Diese Formate liefern ihn per Regelbuch. Der Gegner ist die Mitbewohnerin, die sich ein Kissen nimmt. Konsum wird zum moralischen Akt, und die Kamera muss nur danebenstehen.
Ökonomisch ist das ausgesprochen bequem. Der Cast besteht aus soliden Reality-Namen der zweiten Reihe, nicht aus Gagen-Monstern – die Spannung entsteht aus der Zahl auf dem Konto, nicht aus dem Prominenzgrad. Und der Sendeplatz um 22:55 Uhr ist ohnehin nicht die eigentliche Bühne: Joyn+ schaltet die Folgen bereits eine Woche vor der TV-Ausstrahlung frei, kostenlos gibt es sie montags auf Joyn. Der späte Sat.1-Slot ist weniger Hauptprogramm als Dauerwerbung für den Stream.
Der Preis dafür zeigt sich, wenn der Verzicht länger dauert als die gute Laune. Nach einem Schubser von Pinar Sevim musste die Produktion Mitte August eingreifen – kein Zufallsunfall, sondern die logische Endstufe eines Aufbaus, der Ermüdung und Missgunst systematisch züchtet.
Trashticker-Einschätzung: Die Verzicht-Ökonomie ist das effizienteste Reality-Prinzip, das ein Sender gerade haben kann – billig, konfliktsicher, beliebig verpflanzbar. Genau das ist ihr Problem. Zwei Shows an einem Abend, die sich mechanisch kaum unterscheiden, sind kein Beleg für Stärke, sondern für eine Idee, die Sat.1 sehr schnell sehr oft benutzt. Wenn ab dem 2. September „Promi Big Brother“ die Primetime übernimmt, wird sich zeigen, ob das Publikum den Unterschied noch merkt. Wir tippen: Die dritte Kopie ist die eine zu viel.