Wer heute Abend durch den Reality-Katalog von RTL+ scrollt, findet dort einen erstaunlich deutschen Stapel: Das „Sommerhaus der Stars“ läuft seit dem 25. August wochenweise vorab im Stream, dazu Dating-Eigenproduktionen, Promi-Doku-Soaps, Allstars-Ableger von Allstars-Ablegern. Was fehlt, ist ausgerechnet die Marke, die international als sicherste Bank des Genres gilt – „The Real Housewives“. Zwei Jahre nach dem deutschen Versuch lohnt der Blick zurück, denn er erklärt ziemlich präzise, worauf der Streamer heute setzt.
Am 6. Juli 2024 startete „The Real Housewives of Munich“ als erster deutscher Ableger des Bravo-Franchise – zu einem Zeitpunkt, an dem weltweit bereits mehr als zwei Dutzend Länderversionen existierten. Sechs Frauen aus der Münchner Schickeria, unter ihnen Pegah Parastar, Carina, Seher und Joana, sollten liefern, was Beverly Hills, Atlanta und Dubai seit Jahren liefern: Reichtum, Rivalität und ein Abendessen, das eskaliert. Nach sechs Folgen war am 20. Juli Schluss.
Die Kritik war ungewöhnlich einhellig. Die NZZ verortete das Ganze beim Tiefpunkt des Unterhaltungsfernsehens, DWDL merkte in einem Kommentar süffisant an, der Trubel komme eigentlich aus Düsseldorf, und moviepilot fragte schon während der Ausstrahlung, ob hier ein Reality-Flop made in Germany laufe. Der gemeinsame Nenner: Die Damen waren echt, aber kameraunerfahren. Und Reality lebt nun einmal nicht von Luxus, sondern von Timing.
Ende 2024 zog RTL die Konsequenz und verzichtete auf eine zweite Runde. Ein Sendersprecher begründete das damit, dass das Interesse der Streamenden über die Staffel hinweg nachgelassen habe. Dabei ist es bis heute geblieben – auch wenn Pegah Parastar noch im April 2026 gegenüber Promiflash durchblicken ließ, dass sie sich über eine Fortsetzung freuen würde.
Trashticker-Einschätzung: Das war kein Import-Problem, das war ein Casting-Problem. Das deutsche Reality-Publikum ist seit Jahren auf Gesichter trainiert, die eine Vorgeschichte mitbringen – wer ins Sommerhaus zieht, hat vorher bei Bachelor, Dschungel oder Temptation Island geliefert. Unsere Formate funktionieren als Fortsetzungsroman, nicht als Neustart. München schickte dagegen sechs Frauen ins Rennen, die zwar Geld hatten, aber keine Fallhöhe: Niemand wusste, was hier eigentlich auf dem Spiel steht. Bravo hat genau diese Fallhöhe in den USA über zwei Jahrzehnte aufgebaut. Deutschland wollte sie in sechs Folgen mieten. Dass RTL+ inzwischen lieber das eigene Ökosystem füttert, ist deshalb keine Kapitulation, sondern die richtige Lehre.